Wo ist der Antifaschistische Widerstand?

Kaum hat das neue Jahr begonnen, stehen die Faschist_innen schon wieder auf der Straße:

am 07.01 auf der Demo zum Jahrestag des Mordes an Oury Jalloh durch Dessauer Polizist_innen, wurden drei sich als Afrikanisch bzw. Schwarz Positionierenden Aktivisten von den Polizei brutal und gezielt zusammengeschlagen. Mouctar Bah musste einige Tage im Krankenhaus bleiben.

am 08.01 wurde Hamid-Tahar A. (23) von drei Faschisten zusammengeschlagen, bis er fast einen Genickbruch erlitt. Hamid-Tahar liegt immer noch mit kritischem Zustand im Krankenhaus. Sogar die Polizei (!!) ermittelt wegen versuchten Mordes (das ist ja sonst wirklich nicht ihr Stil, wenn es nicht um weiße geht). Es fand am Freitag (13.01) die Demo „Wenn Rassist[_innen] zuschlagen, sorge dafür, dass sie es nie wieder tun!“ mit 400 menschen statt.

Außerdem fand am 13.01 in Dessau und Magdeburg Kundgebungen und Demonstrationen in Solidarität mit der Initiative in Gedenken an Oury Jalloh statt. In Dessau waren nur 40 Antifaschist_innen da (für Magdeburg haben wir keine Angaben gefunden).

Am 14.01 schafften es 1200 Neonazis durch Magdeburg zu marschieren, geschützt von min. 1800 Polizist_innen, weil nur 700 (!!!) Antifaschist_innen vor Ort waren. Am gleichen Tag fand eine Veranstaltung im Berliner Neonazi-schuppen „Zum Henker“ statt, in der sie die Shoa relativiert wurde.

Am 15.01 findet/fand der „Neuhjahresempfang der NPD“ in Erkner (Berlin) statt, zu dem die beiden Fraktionsvorsitzenden Udo Pastörs und Holger Apfel (Bundesvorsitzende der NPD) anwesend sein werden. Es werden ca. 180 Neonazis aus dem ganzen Bundesgebiet erwartet. Inwiefern sich ein antifaschistischer Protest diesem „Empfang“ entgegenstellen wird, steht noch aus.

Die Antifaschistische Aktion und autonome Antifaschist_innen traten bei all diesen Widerstandsmomenten entweder gar nicht oder in geringen Zahlen und unorganisiert auf. Angesichts der so hohen faschistischen Präsenz auf schlands Straßen sind wir empört, wütend und empfinden es als extrem schmerzhaft, dass die antifaschistische Bewegung sich nicht laut und radikal den Neonazis entgegenstellt. Auch an Solidarität mit den Opfern von faschistischer Polizeigewalt fehlt es gänzlich.

In Anbetracht dieser Umstände stellen sich uns folgende Fragen:

Wie kann es sein, dass zum Gedenken an den weißen Antifaschisten Silvio Maier 5000 Antifas auf die Straßen gehen, aber bei einer Demo in Gedenken an zehn People of Color die durch Nazis mit Staatsunterstützung ermordet worden, die Antifa nicht zu sehen war? Warum gibt es kaum Antifa Präsenz bei Demonstrationen  in Gedenken an Oury Jalloh (insb. In Dessau/Magdeburg), obwohl allgemein bekannt ist, dass der Demozug bereits von Nazis und faschistischen Polizist_innen angegriffen wurde? Warum waren so wenige von uns in Magdeburg, obwohl bekannt war, dass Magdeburg von den Faschos zum nächsten Dresden gemacht werden soll?

Werden die patriarchalen, weißen Strukturen in der Antifa reflektiert? Es scheint bei der fehlenden Solidarität mit of Color Aktivist_innen höchst zweifelhaft. Auch auf den Antifa-Demos wird das Patriarchat immer wieder verteidigt, indem zum Beispiel fast nur weiße ‘Männer’ Entscheidungen treffen und Vorschläge oder Forderungen anderer Menschen ignoriert werden.

Damit keine Missverständnisse entstehen: die Antifa leistet unglaublich wichtige und unverzichtbare Arbeit im antifaschistischen Kampf! Wir reihen uns in diesen Kampf Seite an Seite ein. Aber wir müssen uns besser organisieren! Wir müssen Herrschafts- und Dominanzstrukturen (wie Rassismus, white supremacy und Sexismus) innerhalb unserer Strukturen ‘finden’, analysieren und bekämpfen. Wir sind davon überzeugt, dass nur wenn wir es schaffen, eigene Utopien zu leben, wir diese auch hinaustragen können!

Auch wenn wir alle ein „Privatleben“ haben: antifaschistischer Wiederstand muss 24/7 sein, es kann davon keinen ‘Urlaub’ geben, vor allem nicht wenn faschistische Kräfte innerhalb von Sieben Tagen Sieben Veranstaltungen/ Gewalttaten durchführen!!

One Struggle! One Fight!

Siempre Antifascista!

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3 Responses to Wo ist der Antifaschistische Widerstand?

  1. Dietlind Schmidt says:

    Aufruf zur Beobachtung des Prozesses vor dem Landgericht Magdeburg im Fall Ouri Jalloh.

    Jeder der die Auswüchse von Faschismus und Gewalt ablehnt, sollte den laufenden Prozess
    vor dem Landgericht Magdeburg als Besucher wahrnehmen.
    Am 19.01. und 25.01. 2012 sind neue Termine angesetzt.
    Der Prozess beginnt 9.30 Uhr.
    Jeder Teilnehmer ist eine Unterstützung im Kampf gegen Faschismus und Gewalt in Deutschland.

  2. pola says:

    Hallo, woher kommen diese Zahlen -nur 700 Antifa-Demonstranten? Von Freunden, die an der Demo in Magdeburg teilgenommen haben, hoere ich, dass 10.000 Menschen auf der Straße waren. Ich bitte um Antwort hierzu.

    • reclsoci says:

      Hallo Pola,

      es waren in der Tat 10 000 Menschen da, aber nicht bei der Blockade sondern auf “der Meile der Demokratie”, auf der verschiedene Parteien (und auch die Bullen…) Infostände hatten und eine Jahrmarktsatmosphäre herrschte… mit Antifas meinten wir diejenigen, die den Nazimarsch blockieren wollten. Die Zahlen kamen von der mz und dem Blog http://blockierenmd.tk/. Inzwischen werden die Zahlen der Antifa allerdings zwischen 700-1000 geschätzt..

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