Pressemitteilung von reclaim society!

Studie zu Zwangverheiratung in Deutschland von Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU)

11.11.2011

reclaim society! kritisiert die Art und Weise wie die aktuelle Studie zu Zwangsheiraten von  Kristina Schröder (CDU) aufgezogen wurde und insbesondere die mediale Fehlinterpretation von Spiegel Online (http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,796673,00.html)

Die Datenerhebung der Studie ist stark anzuzweifeln, da nicht die Betroffenen selbst die Interviews gaben, sondern Berater_innen verschiedener Institutionen, vor allem die zur Religionszugehörigkeit, angaben. Es wird also eine Studie über Frauen verfasst, mit denen nicht direkt kommuniziert wurde. Das wird schon aus dem Untertitel der Studie “Anzahl und Analyse von Beratungsfällen” deutlich, der jegliche Repräsentativität ausschließt.

Frau Schöder schafft es hier erneut (wie bei der Debatte um die vermeintliche “Deutschenfeindlichkeit”) ein weißes, deutsches, christliches, aufgeklärtes “wir” zu konstruieren und Probleme dieser patriarchalen Gesellschaft (wie Sexismus und Gewalt gegen Frauen) als spezifisches Problem der “anderen”, vermeintlich muslimischen “Migrant_innen” darzustellen. So beweist die Studie “Lebenssituation, Sicherheit und Gesundheit von Frauen in Deutschland” des selben Ministeriums, dass es sich bei der Problematik von Gewalt gegen Frauen sehr wohl um ein Problem aller sozioökonomischen Schichten und Religionen handelt. Dies wird in dem angegebenen Artikel völlig außer Acht gelassen.

Außerdem unterstellt Kristina Schröder den Frauen, die Opfer von erzwungener Eheschließung geworden sind, fehlende deutsche Sprachkenntnisse zu haben. Mit diesen hätten die Frauen den Schlüssel zu einem “selbstbestimmten, im wahrsten Sinne des Wortes ungezwungenen Leben jenseits elterlicher Bevormundung”. Damit spricht sie nicht nur den “Migrant_innen” ihre Selbstbestimmung ab, sondern behauptet gleichzeitig, dass allein Deutsch sprechen vor Gewalt schützen würde. Hier wird impliziert, dass ‘deutsche’ Frauen emanzipiert seien, während Muslima unterdrückt werden-ohne zu erwähnen, dass 96% aller Muslima in Deutschland fließend deutsch sprechen.

Die Medienresonanz auf die Studie und Frau Schröders Reaktion darauf ist von rassistischen Klischees durchzogen; es wird verallgemeinernd von “Migrantinnen” oder “Migrantenfamilien” gesprochen. Zudem werden Bilder verwendet, auf denen Frauen mit einem Hijab unmündig und objektiviert dargestellt werden. Ein Fokus auf die individuellen Gesichter dieser Frauen fehlt gänzlich. Dabei wird ausgeblendet, dass auch feministische Muslima aus identitätspolitischen und antirassistischen Gründen ein Hijab tragen.

Wir fordern eine klare öffentliche Entschuldigung für die rassistische Reproduktion von Stereotypen, sowie die Rücknahme der Studie aufgrund der unwissenschaftlichen, ungenauen und deshalb nicht repräsentativen Datenerhebung. Vor allem aber fordern wir von allen Journalist_innen eine rassismusfreie und sensibilisierte Auseinandersetzung mit den beschriebenen Themen.

reclaim society! solidarisiert sich mit allen Opfern sexistischer, rassistischer, menschenverachtender psychischer und physischer Gewalt. Wir dulden den rasstischen Grundtenor in dieser rechts-konservativ geprägten Gesellschaft nicht und werden zu solchen Dreistigkeiten nicht schweigen.

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One Response to Pressemitteilung von reclaim society!

  1. Lisa Dixon says:

    Einmalig klar gestellt und zum Punkt. Vielen Dank!

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