18.05.: *J. Kwesi Aikins: Berlin Remix – Straßenumbenennungen als Chance zur postkolonialen Perspektivumkehr*

Am 18.05 war Joshua Kwesi Aikins zu Gast an der Uni Potsdam. Seine  Multimediapräsentation zum Thema “Berlin Remix – Straßenumbenennungen als Chance zur postkolonialen Perspektivumkehr” begann mit einer Einführung zur Geschichte des Remixes.

Lee Scratch Perry begründete den Dub, eine Art “geremixten Reggaes”.  Er zerlegte Reggae-Stücke und setzte sie neu zusammen, um den meditativen Dub-Sound zu bauen. Diese Art zu remixen wurde durch Hip Hop popularisiert.

Aikins zeigte uns die Notwendigkeit eines eben solchen Remixes in Berlin, der ehemaligen Hauptstadt des deutschen Kolonialreiches, auf. Die alltägliche Gegenwart der deutschen Kolonialvergangeit im öffentlichen Raum spiegelt wieder, dass die Vergangenheit und die daraus erwachsende Verantwortung wenig wahrgenommen werden.

Es gibt alleine in Berlin 80 Namen von Plätzen und Straßen mit Kolonialbezügen, 11 davon tragen direkt die Namen von Tätern oder reproduzieren kolonialrassistische Sprache, die anderen Namen erinnern an koloniale Orte in Afrika.

Aikins Vorschlag ist, die Perspektive umzukehren, denn überall wo koloniale Gewalt und Unterdrückung ausgeübt wurde, gab es auch Kritik und Widerstand. So geschehen bei der Umbenennung des Gröbenufers in May-Ayim-Ufer.

Nicht nur Namen von Straßen und Plätzen wurden thematisiert, sondern auch die von 1939 bis heute existierende “Dauerkolonie Togo” in Berlin, eines der vielen Relikte der Kolonialnostalgie des NS-Apparats. Auf dem “Garnisonsfriedhof Columbiadamm” steht bis heute ein “Hererostein”, der an die gefallenen deutschen Soldaten erinnert, die den Genozid an den Herero und Nama begangen haben.

Weiteren Ausführungen über Kolonien als “Laboren der Moderne”, in denen Herrschaftstechniken wie Fingerabrücke erprobt und erste Konzentrationslager betrieben wurde, folgten viele andere Beispiele, die aufzeigten, dass zu wenig über die Kolonialzeit gewusst und reflektiert wird.

Aikins zeigte auch gleichzeitig vielfältige Möglichkeiten des antikolonialen Kampfes in und um Berlin auf und nannte z.B. wichtige Künstler_innen, wie der weiße schwedische Musiker Promoe, die mit kleinen Schritten Kritisches weissSein in den weißen Mainstream bringen.

Links:
Studie und Interviews zum Thema “M-Straße”

Hier findet ihr u.a. das “Dossier: Straßennamen mit Bezügen zum Kolonialismus in Berlin (2008)

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